Was ist Amateurfunk?

Amateurfunk ist ein weltweiter, experimenteller Funkdienst, mit dem Schwerpunkt 'Kommunikation'. Er streift die Wissensgebiete der Elektronik, Hochfrequenz, Antennen und (Funk-)Wellenausbreitung. Auch Mathematik, Physik, Erdkunde und Wetterkunde kommen darin vor

Als Funkamateur bezeichnet man eine Person, die sich hobbymäßig, aus persönlichen Neigungen und Interesse, mit Funktechnik befasst. Ein Funkamateur ist stehts freundlich, geduldig und hilfsbereit.

Um am weltweiten Funkbetrieb teilnehmen zu können, ist eine Genehmigung der jewiligen Behörde (in Deutschland: Bundesnetzagentur) erforderlich. Dafür muss der angehende Funkamateur eine schriftliche Kenntnisprüfung ablegen. Die Fragen kommen aus den amateurfunkspezifischen Bereichen Betriebstechnik, Technik und Gesetze. Wurde die Prüfung bestanden, erhält der Teilnehmer ein Funkzeugnis und ein weltweit einmaliges Rufzeichen. Erst jetzt darf er selber auf Sendung gehen. Je nach Genehmigungsklasse, stehen ausgewählte Frequenzbereiche (Bänder) auf UKW und Kurzwelle zur Verfügung.

Der Funkamater hat sich, neben den üblichen Strafgesetzen (z.B. Grundrechte, Strafgetzbuch), auch an funktechnische Gesetze (z.B. Amateurfunkgesetz, Fernmeldeanlagengesetz) zu halten. Verstöße werden mit Verlust der Genehmigung, Geldstrafe oder Gefängnis bestraft. Themen wie Hautfarbe, Religion, Rassismus, Krieg, und Politik, haben im Amateurfunk nichts zu suchen!

Weltweit gibt es ca. 2.8 Millionen Funkamateure (2014), davon ca. 65.000 in Deutschland. Ein Großteil der Funkamateure ist in nationalen Dachverbänden organisiert. In Deutschland ist das der 'Deutsche-Amateur-Radio-Club' (DARC - www.darc.de). Innerhalb des DARC gibt es in vielen Städten kleine Ortsgruppen, wo sich Mitglieder treffen, Informationen und Gedanken austauschen, Aktivitäten planen und ausführen oder sich einfach bei einem kühlen Getränk unterhalten. Viele Ortsverbände haben in ihren Klubräumen eine Funkstation aufgebaut, so dass auch Mitglieder ohne eigene Funkanlage oder Antennen von dort funken können. Neben den nationalen Dachverbänden, gibt es internationale Organisationen, auf deren Fachtagungen z.B. Änderungen der Frequenzbereiche beschlossen werden.

Außer dem klassischen Sprechfunk und der Morsetelegrafie, gibt es im Amateurfunk eine Vielzahl von Möglichkeiten, Informationen (Sprache, Schrift, Bilder, Töne) auszutauschen. Im Gegensatz zu anderen Funkdiensten (z.B. CB-Funk), haben Funkamateure das Privileg, Funkgeräte und Zubehör selber zu bauen oder gekaufte Geräte zu modifizieren. So lassen sich Module, Dekoder, Modems und Wandler für alle möglichen Übertragungen herstellen. Hier nur eine kleine Auswahl der viiielen Möglichkeiten: Funkfernschreiben (RTTY, PSK31), Standbildübertragung (SSTV), Amateurfernsehen (ATV), Daten- und Positionsdatenübertragung (PacketRadio, APRS), senden mit kleiner und kleinster Sendeleistung (QRP, WSPR), Satellitenfunk, Gespräche mit der Raumstation ISS, Erde-Mond-Erde Verbindungen (EME), Meteore oder Regen als Reflektor benuten (Meteorscatter, Rainscatter) und Sprech'funk' über Internet (EchoLink). Auch der Digitalfunk ist im Amateurfunk vertreten. Über vernetzte Knoten lassen sich ebenfalls weltweite Gespräche aufbauen.

In nationalen und internationalen Wettbewerben können sich Funkamateure messen. Die Gewinner erhalten Diplome, Pokale und weitere Auszeichnungen. Bei einem Kontest werden z.B. Rufzeichen, Länder oder Entfernungskilometer gezählt. Funkamateure brechen zu DXpeditionen auf, um Gebiete mit wenigen oder gar keinen Funkamateuren zu beleben. Viele Funkamateure sammeln und verschicken Bestätigungskarten von ihren Funkgesprächen. In Peilwettbewerben müssen kleine verstecke Sender gefunden werden. Auch Pfadfinder und Bergsteiger haben ihre Aktionstage. Am KIDS-DAY dürfen Kinder unter Aufsicht am Funkverkehr teilnehmen, um sie für das Hobby zu begeistern.

Prominente Funkamateure? Ja, die gibt oder gab es auch! Jeder Mensch kann nach Bestehen der Prüfung Funkamateur werden, warum nicht auch Schauspieler, Politiker, Könige, Sportler und Astronauten? Hier eine kleine Auswahl:
-- Hussein I., König von Jordanien (JY1)
-- Juan Carlos, König von Spanien (EA0JC)
-- Bhumibol Adulyadej, König von Thailand (HS1A)
-- Rajiv Gandhi, indischer Politiker (VU2RG)
-- Friedrich Merz, deutscher Politiker, (DK7DQ)
-- Nolan Bushnell, Gründer der Computerfirma Atari (W7DUK)
-- Michael Griffin, Direktor der NASA (NR3A)
-- Steve Wozniak, Mitgründer von Apple (WA6BND)
-- Marlon Brando, US-amerikanischer Schauspieler (FO5GJ)
-- Priscilla Presley, US-amerikanische Schauspielerin (N6YOS)
... und viele andere mehr.

Amateurfunk kommt auch in einigen Filmen und Serien vor. Bekannte Filme sind z.B. 'Contact' mit Jodie Foster oder 'Frequency' mit Dennis Quaid. Im Film 'Der Staatsfeind Nr. 1' mit Will Smith, hört man beim Zugriff auf den Spionagesatellit die Morsezeichen 'CQ' (allgemeiner Anruf). In der Serie 'ALF' steht im Schuppen eine Amateurfunk-Anlage.


Funk / funken - woher kommt der Begriff? Ein geschichtlicher Rückblick:

  • Der schottische Physiker James Clerk Maxwell weist 1873 auf die Existenz von elektromagnetischen Wellen hin. Maxwell beweist mathematisch die Möglichkeit der Existenz elektromagnetischer Wellen und bestimmt ihre Fortpflanzungsgeschwindigkeit. Er stellt fest, dass das elektromagnetische Feld zeitliche Schwingungen ausführen und sich im Raum wellenförmig ausbreiten kann
  • Basierend auf Maxwells theoretischen Arbeiten, entdeckte der englische Physiker Sir Oliver Lodge 1893 die Elektromagnetische Strahlung
  • Heinrich Hertz und Oliver Lodge erzeugten 1894 Radiowellen durch Hochspannungsfunken, die zwischen zwei Kontakten übersprangen. Lodge baute einen Detektor, der als Empfänger diente. Dieser Kohärer, ein längliches Glasrohr mit Metallspänen gefüllt, reagierte auf die Strahlung und wurde leitend. So konnte eine kleine Klingel ein akustisches Signal erzeugen.
  • Guglielmo Marconi, ein italienischer Radiopionier, experimentierte ebenfalls 1894 mit den 'Hertzschen Wellen'. 1895 konnte er mit einem modifizierten Knallfunkensender bereits 1,5 km überbrücken. Zwei Jahre später verzehnfachte er die Distanz auf 15 km. Als Zeuge war der Deutsche Adolf Slaby anwesend. Er schlug für das Verfahren die treffende Bezeichnung 'spark telegraphy', zu deutsch 'Funkentelegrafie', vor, die sich als Begriff für eine drahtlose Nachrichtenübertragung etablierte. Den großen Durchbruch hatte Marconi, als er Ende 1901 und 1902 eine transatlantische Funkverbindung zwischen England und Amerika schaffte. Dazu verwendete er den von Samuel Finley Breese Morse entwickelten Morsecode. Am 18. Januar 1903 tauschte Marconi von der Marconi Wireless Station in Cape Cod, Massachusetts, Grußbotschaften zwischen US-Präsident Theodore Roosevelt und dem König von England Eduard VII. aus.
  • Anschließend wurde das System von der Kriegsmarine übernommen. In den Folgejahren wurden auch Handelsschiffe mit Marconi-Sendern ausgestattet. Trauriger Punkt war der Untergang der RMS Titanic im April 1912. Sie hatte eine Marconi-Sendeanlage an Bord, ohne die vermutlich alle Menschen ertrunken wären. Neben dem damals üblichen CQD (D = Distress / sind in Not), wurde auch das bis heute gültige SOS gesendet.
  • Damals wurden von offizieller Seite, die Kurzwellen unterhalb von 30 MHz als unbrauchbar eingestuft. Die ersten Radioamateure experimentierten mit diesen Frequenzen und schafften viele Weitverbindungen. Die Offiziellen erkannten das Potential und nahmen die Frequenzen wieder weg. Als Dank für die Entdeckung, erhielten die Radioamateure kleine Bereiche, in denen sie weiter experimentieren konnten.